Ich habe in der Vorbereitung auf das erste Staatsexamen immer auf zeiteffektives Lernen gesetzt: so breit gestreutes Wissen wie nötig, so wenig Tiefe wie prüfungstaktisch noch vertretbar.
Aus dieser Sicht ist die Verwaltungsrechts-AG überflüssig bzw. überhaupt nicht zeitökonomisch. Die Zeit könnte man anderweitig viel besser zum Lernen, Arbeiten oder Pflegen des Lebenslaufs verwenden. Da verwundert es auch nicht, dass unter Kollegen nicht über das „spannende“ Verwaltungsrecht sondern nur darüber diskutiert wird, wie man am geschicktesten die Urlaubsregeln nutzt, um so wenig AG wie möglich zu haben.
Gründe dafür gibt es Einige: Das fängt schon damit, dass man pro AG-Tag 6 Stunden Unterricht hat und damit 2 Stunden mehr als in der Zivilstation (das liegt am fehlenden Einführungslehrgang). Zusätzlich muss man noch 1 Stunde Zeit je Fahrt einkalkulieren, weil die AG im Gebäude des Regierungsbezirks in Detmold stattfindet. Insgesamt verliert man so einen kompletten Wochentag (man ist erst um 17 Uhr wieder zurück). Der Nutzen ist demgegenüber gering. Die bereitgestellten Klausuren und Aktenvorträge sind im Vergleich zur Straf- und ZivilAG uralt. Es wimmelt in den Sachverhalten von Oberkreisdirektoren und oft soll die Statthaftigkeit eines Widerspruchs (entgegen der aktuellen Gesetzeslage!) unterstellt werden. Praktisches Arbeiten sieht da aus meiner Sicht anders aus.
Am ärgerlichsten finde ich es aber, dass die Verwaltungs-AG leider nicht so motivierende Ausbilder hat, wie das noch in der Straf- bzw. Zivil-AG der Fall war. Während hier noch junge Richter und Staatsanwälte ihr Referendariat gut in Erinnerung haben, wird die VerwaltungsAG von zwei erfahrenen Beamten des Regierungsbezirks geleitet, die sich allenfalls noch rudimentär an die Referendarszeit erinnern können. Fachlich mögen diese ihr jeweiliges Aufgabengebiet durchaus beherrschen. Was mir so ein bischen fehlt, ist die Orientierung auf das für das Assessorexamen Notwendige. Es gibt keine Übersichten. Selbst die Lösungen für die Aktenvorträge werden nicht ausgeteilt. Aus meiner Erfahrung nach der Hälfte der AG -Termine muss ich sagen, dass die AG mich kaum auf das Assessorexamen vorbereitet.
Das ist ein hartes Urteil und soll auch nicht die AG-Leiter treffen. Es liegt wohl im System der Verwaltungs-AG begründet, deren Programm sich wohl seit den 70er-Jahren nicht geändert haben dürfte. Warum wird die Hälfte der Zeit in der Arbeitsgemeinschaft das Beamtenrecht besprochen? Das macht weder klausurtaktisch Sinn, weil andere Prüfungsgebiete sicher prüfungsrelevanter seien dürften. Auch inhaltlich dürften die wenigsten Referendare Verwendung für Beamtenrecht haben, weil die Stellen für Verwaltungsjuristen erfahrungsgemäß selten sind. Insofern verwundert es, dass die Repetitoren nicht Zettel vor dem Regierungspräsidium für ihre Kurse verteilen. Angesichts des Zustands der Verwaltungsrechts-AG hätten sie sicherlich ein leichtes Spiel beim Verkauf von Kursen.
Schade eigentlich, weil man heute in 3 Monaten so viel für seinen Lebenslauf hätte tun können. Wäre ich mal ins Ausland gegangen. Oder wenigstens so weit weg, dass ich mich von der AG hätte beurlauben lassen können…