Eigentlich war es ein ganz normaler Tag. Nichts ahnend ging ich nach dem Mittagessen zum Briefkasten, um die üblichen Werbeprospekte abzuholen und noch ein wenig belanglosen Gedanken wie Einkaufsinspirationen nachzuhängen, bevor das nächste Skypen zum Aktenvortrag üben anstand.
Zwar gab es Verlautbarungen, dass die Briefe mit den Ergebnissen der Examensklausuren so langsam raus gehen könnten, allerdings kursierte das Gerücht, dass zunächst nur die Durchfaller Post bekämen. Und alle anderen dann jeweils zwei bis drei Wochen vor dem Prüfungstermin. Ich hatte zwar kein so besonders tolles Gefühl und versuchte auch ernsthaft mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es nicht geklappt haben könnte… dennoch war ich total schockiert, als ich ein Kuvert mit Stempel des JPA im Briefkasten fand! Eigentlich war es ein ganz normaler Tag, eigentlich… dann war ich allerdings völlig aus der Bahn geworfen, mit Herzklopfen und Schweißausbrüchen und Tränen in den Augen vor Angst und Frustration, dass ich „SCHON“ Post habe und das kein gutes Zeichen sei…. schon mit ganz feuchten Augen, öffnete ich den Umschlag und las nur die dickgedruckte Betreffzeile „Ihre mündliche Prüfung in der 2. juristischen Staatsprüfung“, dann folgten erstmal die Tränen der Erleichterung…! *juhu* 🙂
So viel zur brodelnden Gerüchteküche – keine Ahnung, woher die Binsenweisheiten immer kommen, aber in meinem Durchgang und meiner Region wurden die Briefe allesamt innerhalb von 2 Tagen rausgeschickt – egal, ob bestanden oder durchgefallen…
Das „Schon“ ist natürlich mit einem zwinkernden Auge und unter Zugrundelegung der schon anerzogenen und als üblich empfundenen permanenten elenden Warterei im Laufe der bereits durchlebten juristischen Ausbildung zu verstehen…
Die weiteren Seiten des dicken Standardbriefes überflog ich nur – die Klausurergebnisse waren jetzt nicht besonders überragend, aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich von Anfang an mit den Klausuren nicht sonderlich zufrieden war und mir im Laufe der Zeit immer unsicherer war, wie ich dieses und jenes gelöst hatte, wenn ich dann plötzlich zu einer Thematik etwas in die Hand bekam, und letztlich sogar Durchfallen für möglich hielt, war ich zunächst nur absolut erleichtert, dass es für die Zulassung zur mündlichen Prüfung auf jeden Fall gut gereicht hat!
Bemerkenswert fand ich allerdings, dass die Noten der Erst- und Zweitkorrektoren großteils ziemlich voneinander abwichen. Beim staatlichen Teil der 1. juristischen Prüfung war es bei mir eher so, dass sich der Zweitkorrektor einfach dem Erstkorrektor anschloss. Jetzt habe ich in mehreren Klausuren Noten mit bis zu drei Punkten Unterschied bescheinigt bekommen. Wobei es da auch mal zwischen Nichtbestehen und Mittelfeld schwankt. Schon interessant, aber irgendwie beruhigend, dass die Korrektoren offensichtlich unbeeinflusst voneinander die Arbeiten würdigen. Ich werde auf jeden Fall dann zu gegebener Zeit auch mal Einsicht in die Klausuren nehmen.
Mit etwas Abstand und nachlassender Euphorie denke ich jetzt etwas nüchterner, dass die Ergebnisse schon noch viel Luft nach oben lassen und ich das eigentlich auch etwas besser können müsste – aber wie wahrscheinlich jeder für sich behauptet, glaube auch ich fest daran, dass ich mit „meiner Prüfungskampagne einfach Pech“ gehabt habe 😉 … und wenn ich ehrlich sein soll, würde ich mich für einen etwaigen Verbesserungsversuch auch wieder genau auf gleiche Weise vorbereiten. Jetzt steht aber erst einmal noch die Mündliche an – vielleicht kann ich da ja noch ein bischen was „rausholen“! Mal abwarten… und mit neuer Motivation nochmal der Lernerei widmen!
In diesem Sinne wünsche ich euch allen noch ein frohes neues und vor allem erfolgreiches Jahr! Meines ist mit dem Wissen der anstehenden mündlichen Prüfung jedenfalls schon mal sehr zufriedenstellend gestartet…