Wenn der Postmann gar nicht klingelt…
So könnte das Motto der letzten Woche für mich gewesen sein. Nachdem ich Montag völlig erschöpft von meiner 1. AG in der Wahlstation aus Mainz zurückkam traute ich meinen Augen kaum als ich die Seite des Landesprüfungsamts im Internet betrachtete. Die Ergebnisse des schriftlichen Teils sollten Ende der 6. Woche zugehen. Nun ja für mich bedeutete dies erstmal einen kräftigen Schock. Denn nun kam auf einmal wieder alles hoch. Habe ich bestanden? Habe ich die 32 Punkte erreicht? Was für ne Note habe ich am Ende, etc.
Nachdem ich mich bis Mittwoch abgelenkt habe, wartete ich Donnerstag also nach einer unruhigen Nacht also auf den Postbooten. Doch dabei hatte er an diesem Morgen nichts für mich. Das gleiche Spiel am Freitag. Für meine Gemütslage war das natürlich nicht gerade toll. Ich wurde nervöser und nervöser. Und dann heute Morgen endlich der Zeitpunkt auf den ich 7 Jahre hingearbeitet habe. Ich bekomme Post vom Prüfungsamt. Mit zitternden Händen öffnete ich den Briefumschlag und siehe da, ich habe bestanden. Die Erleichterung war groß und ich spühre sie auch jetzt noch. Zu den Ergebnissen kann ich nur sagen, dass ich schon überrascht bin. Von 3 Punkten bis 10 Punkten ist alles dabei. Am Ende aber im befriedigenden Bereich.
Nun soviel zum Examen. Seit Anfang Februar bin ich in der Wahlstation. Ich absolviere sie beim Anwalt, bei dem ich auch meine Pflichtstation absolviert habe. Das Verhältnis zwischen uns beiden stimmt einfach. Wir reden uns mit Vorname und Du an und ansonsten gefällt mir auch allgemein das Klima in der Kanzlei. Von meinem Nebenjob während des Studiums in einer Frankfurter Kanzlei bin ich da noch was ganz anderes gewöhnt…
Als Wahlfach habe ich Strafrecht, wobei ich zu dieser AG knapp eine Stunde nach Mainz fahren muss. Aber der AG Leiter dort ist ziemlich gut. Ich kann also sagen, dass sich das Glück mit den AG Leitern bei mir maßlos fortsetzt.
Zu den beruflichen Aussichten kann ich auch Neuigkeiten berichten. Beim besagten Anwalt hat es sich ergeben, dass er mich gerne als gleichberechtigten Partner in der Kanzlei hätte. Diese Angebot ziehe ich auch dem Angebot einer Bürogemeinschaft eines anderen Anwalts vor. Sicherlich ist erstmal ungewohnt, dass ich mich mit einem Betrag X in die Kanzlei einkaufen muss. Aber finanziell hochgerechnet ist das für mich sehr lukrativ. Ich habe 3 Jahre lang Zeit das Geld einzubringen, zahle im 1. halben Jahr kein Geld für Miete, Personal, etc und mir gehört die Kanzlei dann auch zur Hälfte. Bei Kfw gibt es außerdem günstige Darlehen. Viele werden jetzt sicherlich denken, warum ich gleich zu Berufsbeginn so ein Risiko eingehen will? Nun ja nach 7 Jahre Studium+Referendariat möchte ich einfach endlich arbeiten. Ich habe keine Lust mehr erst einmal unzählige Bewerbungen zu schreiben um dann am Ende eine Stelle zu erhalten, die mir überhaupt nicht zu sagt, bzw. mich dann mit Rechtsgebieten auseinanderzusetzen mit denen ich gar nichts anfangen kann. Außerdem sagt mir ein Angestelltenverhältnis nicht wirklich zu. Diese Abhängigkeit und Weisungsgebundenheit gegenüber seinem Chef ist nicht so meine Welt. Von daher war für mich schon früh klar, dass ich den Weg in die Selbstständigkeit einschlagen werde. Mir ist klar, dass es anfangs durchaus schwer wird, aber die Kanzlei, in der ich arbeiten werde, ist eine gutgehende mittelständliche Kanzlei. Von daher wird genug Arbeit für mich abfallen.
So das wars dann wieder mal aufs erste. Ich werde jetzt erstmal das bestanden Examen feiern gehen 😉